26.08.2009

„Breathtaking...!“- Swiss O Week 2009

von Sophie Gruschka

Eine tatsächlich atemberaubende Woche in der Schweiz durften in diesem Jahr wieder über 50 TU-OLer miterleben. Zusammen mit 3000 anderen OLern aus der ganzen Welt (sogar Australier waren am Start!) waren wir für sieben Tage Teil eines Mehrtagelauf, der alles zu bieten hatte: Regen und Sonne, bergan und bergab, Wiesen und Dickichte, zielgerichtetes Sprinten und konzentriertes Suchen.

1. Etappe: Die Schnittige
Für diesen Lauf hatten die Organisatoren extra das Zentrum der Stadt Schwyz von Autos befreit, so dass ein schnelles Laufen für jeden möglich war. Start des Stadtsprints war auf dem Firmengelände vom Hauptsponsor Victorinox, dem berühmten Taschenmesserhersteller von wo aus man, leider im Dauerregen, eine trotzdem interessante Bahn mit einigen Routenwahlmöglichkeiten zu absolvieren hatte, so dass man einen Eindruck bekam von dieser historisch bedeutsamen Stadt. Immerhin wird hier die Gründungsurkunde der Schweiz aufbewahrt, und auch sonst hat Schwyz eine schöne Altstadt zu bieten. Zu einem Stadtrundgang lud das Wetter jedoch nicht unbedingt ein, da setzten sich die meisten lieber in das Festzelt und genossen die angebotenen lokalen Spezialitäten.


2. Etappe: Die Abwechslungsreiche
Wir waren schon vorher gespannt, wie die Schweizer die Transportorganisation meistern würden, mussten doch die ungefähr 3000 Teilnehmer allesamt irgendwie an die Etappen kutschiert werden, pünktlich zu ihrem Start natürlich. Dafür wurden berg- und geländetaugliche Militärtransporter genutzt, an denen man sich zu einer festen Zeit, je nach Startzeit, einzufinden hatte damit man pünktlich am Start sein konnte. Der Organisationsaufwand allein schon beim Transport war wahrscheinlich wirklich gigantisch, bis auf ein paar Ausnahmen hat das aber eigentlich alles gut geklappt. Der Regen des letzten Tages hatte die Zielwiese auf der Schwialp (schweizerisch für Schweine-Alp) tatsächlich zu einem Saustall gemacht und der immer noch unaufhörlich fallende Niederschlag machte das nicht unbedingt besser. Wenn man dann den teilweise sehr steilen Weg zum Start gemeistert hatte, kam auch noch dicker Nebel hinzu und es ließ sich wirklich nur erahnen, dass man hier bei Sonnenschein wohl eine super Aussicht hätte. Auch das Laufgelände hätte bei schönem Wetter mehr Spaß gemacht, dennoch war es eigentlich ein spannender Lauf, durften wir doch heute zum ersten Mal richtige Bergluft schnuppern... Ein steiler Hang, den jede Kategorie nach unten belaufen musste war dabei das besondere Highlight, denn auch er hatte sich in eine wunderbar rutschige Matschpiste verwandelt. Ansonsten waren die vielen Wiesen von der Nässe abgesehen gut belaufbar und orientierungstechnisch zu bewältigen.

3. Etappe: Die Arktische
Endlich ein Tag ohne Regen! Das war mir eigentlich das Wichtigste am Morgen des dritten Tages, hatte ich doch keine trockenen OL-Sachen mehr und auch meine Motivation lag nur noch bei 90 %. Aber heute war es draußen trocken, was wollte man da mehr. Heute brachten uns normale Linienbusse ins Wettkampfzentrum, was aber nicht automatisch Start- und Zielgelände war. Um dahin zu kommen, mussten nämlich erstmal 700 Höhenmeter auf 4 km bewältigt werden, 2 Stunden waren dafür vom Veranstalter eingeplant worden. Doch der Aufstieg hatte sich gelohnt, uns erwartete ein Lauf in wirklich hochalpinem Gelände, sowohl in anspruchsvollen Karstfeldern mit jeder Menge Feinorientierung als auch auf gut zu belaufenden Alpwiesen zum Gewinnen von wertvollen Sekunden. Ein schöner Lauf, trotz der Höhe, doch die Ruhepause am nächsten Tag hatten wir uns dennoch verdient, schon allein zum Trocknen der Sachen war der auch nötig.
Und auch das endlich wieder schöne Urlaubswetter machte Lust auf den zweiten Teil der SOW.

4. Etappe: Die vorgezogene Atemberaubende
Wegen eines Erdrutsches auf dem Weg zur 4. Etappe wurde kurzfristig die 6. Etappe vorgezogen und so wurde uns der Atem eben jetzt schon geraubt. Überlebt haben trotzdem alle diesen anspruchsvollen Downhill-OL, bei einer Startüberhöhung von 800 Metern ging es da schon ganz schön zur Sache. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein war der Anblick der die Hänge herabgaloppierenden OLer sicherlich eine Augenweide, doch durfte man das Orientieren in diesem Gelände nicht vergessen, denn es gab so einige tückische Posten in den großen unübersichtlichen Steinfeldern versteckt. Bergab ist eben nicht immer leichter, diese Erkenntnis hatten wohl viele. Dafür konnte man im Ziel in der Käserei leckeren Käse erwerben, der für einiges entschädigte.

5. Etappe: Die Ruppige
Diese Etappe fand wieder ganz planmäßig statt, dieses Mal aber nicht in weit einsehbaren Bergwiesen sondern in echtem Schweizer Wald. Schon im Trainingslager konnte ich den kennen lernen und hatte inzwischen eine ganze Menge Respekt. Das Einfach-draufloslaufen-und-schon-irgendwie-ankommen-Prinzip war hier wirklich der Tod für jeden Läufer, nicht umsonst galt auch dieses Mal am Start: No whistle- no go! Ohne Signalpfeife wurde niemand in den Wald gelassen. Zu Recht, kann ich da nur sagen. Zugewachsen, steinig, mit steilen Felsen gespickt und teilweise einfach undurchdringbar trifft das Gelände wohl am besten. Das Orientieren stand hier wirklich im Vordergrund, im Wald traf man keine Läufer, nur Orientierer. Anspruchsvoll war die Ruppige auf jeden Fall, und Spaß gemacht hat es hier auch, so ein ganz anderer Wald als man ihn in Deutschland gewohnt ist, hat eben auch seinen Reiz.

6. Etappe: Die Kurzfristige
Eigentlich sollte dieser Lauf ja im Gelände der ursprünglichen 4. Etappe stattfinden, aus Sicherheitsgründen war das aber nicht möglich, so organisierten die Veranstalter spontan auf der Karte der 5. Etappe noch einen weiteren Lauf, den letzten dieser SOW. Es war alles ein wenig provisorisch, das WKZ lag in einem Wohngebiet und die Bahnen mussten alle Läufer vor dem Start selber abzeichnen, aber gewertet wurde er ganz normal wie die anderen auch. Starker Nebel und dadurch Dunkelheit im Wald stellten an den Läufer heute noch einmal eine ganz besondere Herausforderung, leider hatte sich im Wald nicht allzu viel geändert, immer noch musste man mit höchster Konzentration den Weg von Posten zu Posten finden. Glatt und matschig war es noch dazu, was einige mit dem Aufenthalt im Sani-Zelt bezahlen mussten.

Man merkte hier nicht zum ersten Mal in diesem Jahr, wie abhängig vom Wetter wir OLer eigentlich sind, erst recht die Veranstalter von so großen Läufen. Doch für die Kürze der Zeit haben sie doch akzeptable Ersatzetappen organisiert, wofür sich einige sicherlich die Nächte um die Ohren geschlagen haben.
Auch unsere Erfolge sollen nicht unerwähnt bleiben, so erreichte Cornelia Eckardt in der D40 einen erfolgreichen 3. Platz, genauso wie Helmut Conrad in der H65 Bronze gewann.
Ich kann nur sagen, dass hinter uns wirklich eine erlebnisreiche Woche liegt, die zwar Flexibilität erforderte aber sich trotzdem auf jeden Fall gelohnt hat, schon allein des Zeltplatzfeelings wegen, 2000 OLer, die für eine Woche zusammengepfercht auf einer Wiese wohnen sind schon ein lustiger Haufen.
Ein ganz großes Dankeschön hier auch noch an Achim, der uns von früh bis abends verpflegt, bekocht und verwöhnt hat!

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