10.04.2012

Oje, Sonne und Schnee

Für viele mittlerweile schon Tradition ist das österliche Postensuchen in den Sandsteinfelsen rund um Doksy. So waren auch dieses Jahr wieder über 50 TU-OLer dem Ruf der Prager Orientierungsläufer gefolgt und mit zum Teil nicht ganz wettergerechter Kleidung mehr oder weniger pünktlich zur ersten Etappe bei Duba angereist. Bei etwa 5C wurde die Motivation der Läufer durch Aussagen wie "Der Freitag ist laut Wettervorhersage der wärmste von allen drei Wettkampftagen" oder "Sonntag früh sollen die Temperaturen unter 0C sinken" auf dem Höhepunkt gehalten. Zwar war in diesem Jahr die Zahl der Teilnehmer etwas geringer als in den Vorjahren, dafür waren aber auch OLer aus 23 Nationen am Start u. a. aus der Schweiz, Polen, Russland, Ungarn, Österreich, Belgien und den skandinavischen Ländern.

Wie jedes Jahr stand am Freitag die Mitteldistanz auf dem Programm, so dass bei Streckenlängen unter 6km erst mal wieder eine Eingewöhnung an die felsigen Verhältnisse möglich war. Die traditionsbewussten Teilnehmer konnten schon auf Wald- und Wettkampfzentrumserfahrungen aus dem letzten Jahr aufbauen, da derselbe Ort für den Auftakt gewählt wurde (allerdings diesmal ohne Baden nach dem Lauf). Bei vielen zahlten sich offensichtlich die Erfahrungen der vergangenen Jahre aus aber auch "Neueinsteiger" kamen mit den Felsen gut zurecht. Auf jeden Fall waren keine Suchaktionen nach verlorenen OLern notwendig, was aber vielleicht auch an den etwas ungemütlichen Temperaturen lag (wer will da schon unnötig lang im Wald verweilen).

Eines der vielen Highlights des Prague Easter bildete für die meisten auch der allabendliche Besuch des Restaurants "Schwarzmühle" (mit typischer tschechischer Küche), wo trotz unterschiedlicher Unterkünfte mehr oder weniger alle TU-OLer anzutreffen waren. Spätestens dort fand dann auch jeder den Optimalpunkt seiner Leistungskurve, wobei wohl einige Sportler ihre Leistungsgrenze überschritten und anschließend ein übermäßiges Völlegefühl beklagten.
Als letzte Überraschung des Tages erwiesen sich für einige TU-Sportler die Sanitäranlagen der gebuchten Zimmer, in denen (bei den Glücklicheren) die Klospülung nach dem bekannten Spülkastenprinzip funktionierte und nicht, wie bei manch anderen, wo die gute alte Eimerspülung zum Einsatz kommen musste. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unseren Quartiermeister, welcher mit Feingefühl eine ruhige (an Hundegebell kann man sich ja gewöhnen) und eine auch dem heutigen technischen Standard (inklusive Extras, wie Dreitropfendusche und Eimerspülung) entsprechende Unterkunft für 18 TU-OLer organisiert hatte. Prague Easter ist und bleibt also in mancher Hinsicht eine "Wundertüte" und ich bin schon gespannt auf das kommende Jahr!

Samstag ging es dann mit der Normaldistanz weiter. Aufgrund der Sandsteinfelsen ein anstrengendes aber auch interessantes Läufchen bei Temperaturen knapp über 0C. Da zum Nachmittag sogar noch einmal die Sonne herauskam, nutzten manche diese Gelegenheit die Neuerungen in Stare Splavy zu bestaunen und nach potentiellen Übernachtungsmöglichkeiten für das kommende Jahr Ausschau zu halten. Entsprechende Möglichkeiten wurden gefunden und dem Quartiermeister (s. o.) gemeldet. Erwähnenswert ist, das der Meldeverantwortliche unseres Vereins und ein Elitesportler, welcher am Ende Platz 3 errang, sowie ein finnisches Vereinsmitglied von ihrem gemeinsamen Spaziergang vorm Abendessen getrennt zurückkehrten und durch mysteriöse Umstände ein Mitglied der genannten Gruppe in seinem Zimmer eingeschlossen wurde, ein anderes orientierungslos durch den Ort irrte und erst durch den beherzten Eingriff unseres Vereinsadministrators wieder eingenordet werden konnte und der dritte im Bunde schließlich den Eingeschlossenen wieder befreien musste. Zum Schluss saßen alle wieder glücklich vereint in der Schwarzmühle mit dem Wissen: Orientierungslauf ist am Ende eben auch eine Kommunikationssache!

Der Sonntag bildet dann den krönenden Abschluss. Nahezu alle Läufer hatten dabei die Möglichkeit einen kleineren Schneesturm am Ostersonntag zu erleben. Bereits beim Erwachen war eine dünne Schneedecke zu erkennen, welche während des Wettkampfs dann kontinuierlich anwuchs. Allerdings hatte ich so die Möglichkeit mein OL-Wissen um die Erfahrung zu erweitern, dass die Laufkarte auch einen guten (Gesichts-)Schutz bei starkem Schneefall von der Seite bieten kann. Pünktlich zur Abreise kam dann auch die Sonne dauerhaft zum Vorschein, so dass wenigstens die Rückfahrt nach Dresden bei herrlichem Sonnenschein erfolgen konnte.

Neben den Läufern mit dem olympischen Gedanken "Dabei sein ist alles" gab es eine Reihe von hervorragenden Ergebnissen im international stark besetzten Teilnehmerfeld: Zuvorderst die Gesamtsiege von Theresa Flechsig in der D18, Christina Holfeld in der D40A und Helmut Conrad in der H65 sowie die dritten Plätze von Patricia Nieke in der D18, Corinna Nieke in der D20 und Wieland Kundisch in der Herren-Elite. Darüber hinaus erreichten Sabine Richter in der D45A und Martin Riebisch in der H21A jeweils Platz 4, Henryk Dobslaw (ebenfalls in der H21A) und Tom Richter in der H21B den jeweils fünften Rang sowie Anatolij Zelenin Platz 6 in der H20. [Martin Schmotz (z.d.d.G.ÖA)]

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