11.02.2013

Weltcup in Neuseeland: Schafe, Kiwis, Silberfarn

von Anna Reinhardt

Oder: Warum hab ich deine Neujahrs-SMS eigentlich zwölf Stunden zu früh bekommen?

Die Sonne scheint, bis an den Horizont erstreckt sich der weite Ozean. Die Luft ist erfüllt vom Sommer. Noch ein Schluck Wasser. 09:06 Uhr nach Weltzeit plus 13 Stunden, d.h. wir befinden uns zwölf Stunden vor der Mitteleuropäischen Zeit. Los gehtís in den Vorstart zur ersten Mitteldistanzetappe des Weltcups in Neuseeland! Start am Strand und sofort rein in die Dünen, sandig, diffizil, wunderschön.

Vom 27. Dezember des letzten Jahres bis zum 15. Januar 2013 durfte ich dieses wundervolle Land am andern Ende der Welt kennen lernen. Gemeinsam mit Jan Birnstock als Trainer und Esther Doetsch (DJK Adler 07 Bottrop) lief ich in fünf Weltcup-Rennen um Weltcup-Punkte für Deutschland. Doch vorher sollte natürlich die Besichtigung des (anscheinend unter den beliebtesten Urlaubsländern deutscher Touris kursierenden) Landes nicht zu kurz kommen.

Wir sahen weite Strände und Ozeanwellen, Vulkane und blubbernde heiße (Schwefel-)Quellen, warme und kalte Flüsse, mächtige Wasserfälle und viel palmen- und riesen(silber)farnbestückten Regenwald. Den Nationalvogel, einen (nachtaktiven, kleinen, dicken, braunen) Kiwi, haben wir leider nicht betrachten können. Aber die weiten Hügel mit unendlich vielen Schafen durften natürlich nicht fehlen. So verbrachten wir die ersten Tage mit der Bewunderung neuseeländischer Attraktionen und Geheimtipps. Silvester feierten wir zwischendurch im Hafen von Auckland, 12 Stunden früher als sonst.

Südwestlich von Palmerston North in den Dünen des Waikawa Beach fand dann am 6. Januar die Mitteldistanz als erste Etappe des Weltcups statt. Nach einem spannenden Lauf konnte ich mir immerhin Platz 38 sichern und damit meine drei ersten Weltcuppunkte überhaupt erlangen. Tags darauf ging es auf dem Parliament Ground von Wellington (der Hauptstadt Neuseelands) um den Einzug ins Sprintfinale. Es erwarteten uns einige anspruchsvolle Routenwahlen, ein Kartenwechsel und viele Treppen. Schließlich fehlten mir fünf Sekunden zum Finaleinzug, Esther kam auf Platz 37. Für sie stand daher am Folgetag das Finale rund ums Government House von Wellington an. Fast jede Postenverbindung forderte eine schwierige Routenwahl, und auch die richtigen Mikrorouten galt es zu finden, um jede Sekunde zu retten. Technisch auf höchstem Niveau und mit einigen Höhenmetern gespickt verlangte die Strecke so einiges von den Läufern. Esther erlief einen bravourösen 29. Platz, ich startete außerhalb der Weltcupwertung und brauchte ein wenig länger...
Ein hochklassiger Sprint in toller Atmosphäre.

Vorerst hatten wir nun zwei Tage Zeit uns vom Laufen zu erholen. Jan und ich nutzten die Gelegenheit und setzten mit der Fähre auf die Südinsel über, um die Schönheit des Abel Tasman Nationalparks zu genießen. Wundervoll. Auch im Regen.

Dann ging es wieder Richtung Norden zu den beiden letzten Etappen des Weltcups. Beim Training rannten wir durch Schafherden, nutzten die Wassersprenger als kleine Abkühlung und versuchten die beste Taktik zu erarbeiten, um am schnellsten über die vielen Zäune springen zu können. Die Temperaturen blieben ziemlich erbarmungslos und so starteten wir am 13. Januar bei prallem Sonnenschein in die Hügellandschaft westlich von Hastings. Wir gaben unser Bestes in den unglaublich detaillierten und kräftezehrenden Hügeln, immer mit dem Hintergedanken, dass wenige Stunden später noch der finale Jagdstart auf uns wartet. Das deprimierende Gefühl, eine Ewigkeit für die Strecke gebraucht zu haben, verwandelte sich relativ schnell in Überraschung, als ich die Laufzeiten der anderen Mädels sah. Offenbar ging es einigen auch nicht viel besser. Jetzt war erst mal Essen, Schlafen, Ausruhen angesagt, bevor wir noch am selben Nachmittag den abschließenden Lauf in Angriff nahmen. Wenigstens ein paar Wolken sorgten zum Glück für etwas weniger Hitze bei der Jagd um die Plätze. Zu meinem Erstaunen lief es bei mir besser, als nach dem Prolog erwartet und ich konnte meinen 37. Platz halten. Esther schaffte es nach einem größeren Fehler im Vorlauf erfreulicherweise auch noch in die Weltcuppunkte (Top 40).

Leider mussten wir uns nach der Abschlussfeier schon wieder auf den Weg nach Auckland machen. Die langen Rückflüge ans andere Ende der Welt winkten...
Es war eine wunderschöne Reise und eine tolle Erfahrung in Neuseeland zu laufen! Ich danke allen, die sich ins Zeug gelegt haben, dass ich nur einen kleinen Teil des finanziellen Beitrags selber stemmen musste! Thanks and see you soon!

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