26.04.2016

Ultralange Läufe im kleinen Wald: DBK Ultralang und BRL Mittel in Storkow

von Friedmar Richter

Traditionell bilden die Bestenkämpfe über die Ultralangstrecke den Auftakt der großen Bundesveranstaltungen im Orientierungslauf.
Während im letzten Jahr noch die Felsen der Sächsischen Schweiz das Wettkampfgelände beherrschten, lud der ESV Lok Schöneweide diesmal in die eiszeitlich geprägte Storkower Heide in Brandenburg. Versprochen wurde ein gut belaufbarer Hochwald mit feinkuppiertem Relief und regelmäßigem Wegenetz, was schon im Vorfeld hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erwarten ließ. Und tatsächlich hatte man nach dem Startsignal am Samstag eine sehr übersichtliche und auch im Maßstab 1:15000 gut lesbare Karte in der Hand, denn die in sächsischen und tschechischen Wäldern häufig anzutreffenden schwarzen Felsobjekte, sowie Wassergräben und Bäche mit den damit verbundenen, tiefen Taleinschnitten waren schlichtweg nicht vorhanden. Auch der Grünanteil fiel gering aus und war, wo vorhanden, verhältnismäßig gut passierbar.

Ungewöhnlich für eine Ultralangdistanz war, dass die Storkower Heide im vorgegebenen Maßstab fast komplett auf das ausgegebene Kartenformat A4 passte, wo man doch sonst eher Karten in Tageszeitungsgröße zu bändigen hat. Das lässt dem Bahnleger im wahrsten Sinne des Wortes natürlich wenig Raum, eine in der Herrenelite bis zu 26,5km lange Bahn unterzubringen. Indem die langen Schläge entweder quer zum +/-45-Wegenetz gelegt oder durch Zwischenposten unterbrochen wurden, hat man hier wohl das maximal Mögliche aus einem für die Veranstaltung nicht unbedingt optimalen Gelände herausgeholt.

Die Groborientierung war somit nicht besonders schwer, aber die Aufmerksamkeit bei der Kompassarbeit musste stets hoch gehalten werden, damit man im Postenraum auch wirklich punktgenau am richtigen und nicht immer sehr markanten Objekt herauskam. Dass sich die Abweichung zwischen Luftlinie und gelaufener Strecke bei den Topläufern und -läuferinnen gerade einmal im mittleren einstelligen Prozentbereich bewegte, unterstrich, was in den meisten Fällen die bevorzugte Routenwahl war: direkt. Allerdings erwiesen sich die Kuppen und der angenehm belaufbare Gras-Moos-Boden auf Dauer ziemlich kraftraubend. An den Zwischenzeiten im letzten Drittel konnte man deshalb gut erkennen, wer über den Winter genügend Ausdauergrundlage trainiert hatte. Nicht jeder wollte sich hier zu sehr verausgaben, weshalb man am Samstag einen Großteil der Herrenelite nur in der H21K-Rahmenklasse starten sah. So konnte Philipp Müller vom Post SV Dresden sich in der HE souverän den Sieg sichern, während Patricia Nieke mit knappem Vorsprung in der Damenelite vor Anne Heinemann den Pokal für den USV TU Dresden holte. Ihr gleich taten es:
- Pia Schoffer (D20)
- Patricia Siegert (D19AL)
- Ingrid Grosse (D75)
- Markus Grätsch (H20)
- Joseph Neumann (H21AL)
- Helmut Conrad (H70)

Um am Sonntag eine BRL-würdige Mittelstrecke bieten zu können, hatten die Veranstalter gefühlt nahezu jedes Loch, jede Senke und jedes Tälchen, das sich irgendwie anbot, als Postenstandort genutzt. Entsprechend viele waren im Wald verteilt und lagen teils nahe am vorgeschriebenen Minimalabstand beieinander. Gerade die halboffene Sandkuppe im Nordosten der Karte sorgte durch ihren im Vergleich zu den flachen Waldabschnitten unübersichtlichen Charakter für Differenzierung. Akribische Postencodekontrolle war so bis ganz zum Schluss wichtig, da es auch noch mehrere Endposten in unmittelbarer Zielnähe gab.
Patricia Nieke löste die Aufgabe in der DE wieder am Besten, diesmal sogar mit deutlichem Vorsprung. Die jüngeren Damen Anna Holfeld (D10), Gesine Rimpel (D12) und Patricia Siegert (D19A) standen ihr diesmal in nichts nach und gewannen ebenfalls ihre Klassen, ebenso Ingrid Grosse (D75).

Insgesamt boten die Läufe für die knapp 60 Starter des USV eine willkommene Abwechslung, die Organisation war solide und auch das Wetter spielte bis auf ein ganz kurzes Graupelintermezzo am Sonntagvormittag unerwartet gut mit.

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