05.06.2018

Schnell in Stadt und Wald - DM Sprint und Bundesranglistenlauf in Senftenberg - Teil1

von Kay-Uwe Kaufmann

Nach dem Wochenende der Berliner Veranstalter in der brandenburgischen Schorfheide Ende April gingen dieses Mal die Sachsen vom Post SV Dresden im südbrandenburgischen Senftenberg ins fremde Bundesland, um die Deutschen Meisterschaften im Sprint-OL auszurichten. Hochkarätiges „Nebenprogramm“ war die Sprintstaffel und der Bundesranglistenlauf im Lang-OL. Das Wetter meinte es gut mit Wettkämpfern und Veranstaltern, nach einer teils sehr heißen Woche mit Temperaturen über 30 Grad waren es trockene, noch angenehme 25 Grad zu den Läufen und zur Siegerehrung am Abend im Senftenberger Stadthafen unter freiem Himmel.

Die Anreise in die Quarantänezone zur DM Sprint war vom Veranstalter bewusst etwas im Unklaren gelassen worden. So fanden sich die über 600 Teilnehmer am Samstagvormittag nach teils langer Anreise und Fußweg in der Gartenstadt Marga im Stadtteil Brieske wieder. Die Arbeitersiedlung mit kompaktem Ortszentrum aus den 1910’er Jahren, erbaut durch die ortsansässige Braunkohlegesellschaft, erwies sich als überaus geeignet für das Sprintformat im OL. Die spezielle Herausforderung in diesem Gelände bestand im möglichst schnellen Meistern sehr vieler kleiner Microrouten im verwinkelten Siedlungs- und Gartengelände mit Erholungsoasen und Grünflächen. Die vielerorts vorhandenen, als nicht passierbar gekennzeichneten Begrenzungshecken ignorierten einige Läufer und mussten daher von den aufmerksamen Kampfrichtern aus der Wertung genommen werden. Die Abstände waren oft sehr knapp, so dass schon kleine Fehler sich stark in der Ergebnisliste auswirkten.
Die grüne Dresdener Läuferschar war wie immer bei solchen Wettkampfhöhepunkten quantitativ und qualitativ stark vertreten. Die Highlights lieferten wie oft die Damen ab, an der Spitze mit Paula Starke als Dritte in der Damen-Elite. Weitere gute Platzierungen in der Hauptklasse wurden durch Anna Reinhardt als 7. sowie Patricia Siegert, Theresa Flechsig und Patricia Nieke als 12. bis 14. verzeichnet. Cornelia Eckardt und Christina Holfeld lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen und feierten einen souveränen Doppelsieg in der Damen 45. In der höchsten Seniorinnen-Kategorie Damen 65 erlief sich Ingrid Grosse gegen die teils deutlich jüngere Konkurrenz einen hervorragenden dritten Platz. Auch in anderen Altersklassen konnten wir gute Platzierungen nachweisen. Franka Klein in der D14 holte sich mit einem beherzten Lauf einen guten 8. Platz. Josephine Müller lief im ersten D18-Jahr gegen die ältere Konkurrenz mit dem vierten Platz nur knapp am Podest vorbei. Den gleichen Platz erreichte Heike Leideck in der stark besetzten D55, knapp vor Kerstin Hellmann auf dem geteilten 5. Platz.



Die Herren konnten bis auf eine Ausnahme keine Podestplätze verzeichnen. Die Ehre der Männer rettete wieder mal Helmut Conrad, der in H65 den zweiten Platz errang. Man muss hier unbedingt noch anmerken, dass alle anderen Platzierten in den Top Acht dieser Altersklasse zwischen 9 und 13 Jahren weniger Lenze zählen als der „Alterspräsident“ Helmut. Die anderen Herren schlugen sich in ihren Altersklassen trotzdem sehr beachtlich mit zahlreichen vorderen Plätzen, so Raphael Kunckel in H10 (4.), Marek Siegert in H14 (5.), Paul Hempel in H18 (7.), Friedmar Richter in H35 (7.) und Hagen Nieke in H55 (6.). In der mit 65 Startern zahlenmäßig stärksten Klasse H45 erreichten Heiko Gossel und Sven Klose mit den Plätzen 9 und 10 die besten Resultate, während das Familienduell des Artikelschreibers zugunsten der Jugend ausging. Die TU-Elite-Herren erkämpften in einem sehr starken Feld mit Karsten Leideck, Markus Grätsch und Wieland Kundisch die Plätze 11, 16 und 17.

Nach dem Einzellauf, der mit einem sehr gut aufgelegten und top vorbereiteten Sprecher (Das gilt für alle drei Wettkämpfe des Wochenendes!), einer Quarantäne-Zone und guten Live-Daten das Flair eines OL-Wettkampfes auf internationalen Niveau aufkommen ließ, baute der gastgebende Post SV Dresden seine komplette Logistik ab und im Stadtzentrum von Senftenberg wieder auf. Wer bisher mit Senftenberg eine reine Braunkohle-Arbeiter-Stadt verband, konnte sich mit der Sprintstaffel vom Gegenteil überzeugen. Das Gelände der Staffel wartete mit drei unterschiedlichen Teilstrecken auf. Nach dem Start mussten die Posten in der verwinkelten Altstadt auf den besten Routen angelaufen werden, dann ging es in das Gelände der Festung Senftenberg mit Tunnelzugängen und Posten auf mehreren Höhenebenen. Nach einem kleinen Intermezzo im Park neben der Festung ging es zurück in Startnähe. Dort war eine Pflichtstrecke mit einem Sichtposten am Anfang und einem (nicht direkt einsehbaren) Posten am Ende zu absolvieren. Den zweiten Posten konnte man leicht übersehen, was einigen Läufern passierte. Der Schlussteil der Bahnen wurde in einem DDR-typischen Neubaugebiet absolviert. Dort konnte man mit viel freiem Blickfeld den direkten Kampf mit den Konkurrenten aufnehmen, durfte dabei aber die gegabelten Posten nicht außer Acht lassen. So entwickelten sich schnelle, spannende und in der Sonne des Nachmittages hitzige Staffelkämpfe.

In der Eliteklasse konnten wir mit 6 Staffeln, die alle in die Wertung kamen, sowohl von der Menge her überzeugen als auch mit den Plätzen 2, 4 und 6 drei Staffeln in den Top 6 platzieren. Nur der USV Jena mit schnellen Junioren und der überragenden Schlussläuferin Susen Lösch konnte unsere erste Staffel mit Theresa Flechsig, Karsten Leideck, Markus Grätsch und Kerstin Uibopin in Schach halten. Die Senioren in der D/H45 verloren mit der besten Staffel den 2. Platz durch den oben erwähnten (Nicht)-Sichtposten. Die Jugendstaffel D/H16 lief mit Platz 4 knapp am Podest vorbei, ebenso wie die Kinderstaffel in der D/H12 mit dem gleichen Platz. Insgesamt erwies sich die Sprintstaffel wieder als attraktives und mitreißendes Wettkampfformat und wird hoffentlich bald als eigenständige Meisterschaft den Wettkampfkalender bereichern.

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