31.01.2019

Ski-OL-Wochenende vor der Haustür

von Friedmar Richter

Viele Dresdner Orientierungsläufer steigen in der wettkampffreien Winterzeit gern auf Skilanglauf als gelenkschonenden Ausgleichssport um. Da in Dresden selbst selten länger Schnee liegt (vom mit viel technischem und finanziellem Aufwand herbeigezauberten künstlichen am Elbufer mal abgesehen), zieht es sie bei entsprechenden Bedingungen in Scharen am Wochenende nach Zinnwald, dem Einfallstor zu den deutschen und tschechischen Osterzgebirgsloipen.
Aber Sport so ganz ohne Karte und Kompass ist ja auf Dauer auch nicht auszuhalten. Zur Abhilfe schnürte ein deutsch-tschechisches Joint-Venture am vergangenen Wochenende dankenswerterweise ebenda ein Ski-OL-Paket aus drei Läufen sehr unterschiedlichen Charakters.

Los ging es am Samstagvormittag mit einem Sprintlauf auf dem Gelände des Golfplatz Cinovec direkt an der Grenze. In Theorie bietet so ein Golfplatz mit seinen weiten, offenen Flächen ein ideales Gelände, um anspruchsvolle, verschlungene Loipen direkt in den Schnee zu spuren. In Praxis gab es aber über Nacht deutlich mehr als 20cm Neuschnee, mit dem der auf dieser Kammebene fast immer wehende Wind leichtes Spiel hatte, um die meisten Spuren zu verwischen. So galt es, sich geradewegs nach Kompassrichtung von Posten zu Posten zu schieben (Skatingtechnik über längere Strecken gelang nur den sehr starken Läufern).

Als besonderes Schmankerl schloss sich dann am Abend noch ein Scorelauf (beliebige Postenreihenfolge) mit drei Massenstartwellen im gleichen Gelände an. Bei leichtem Nebel und starkem Schneefall in Verbindung mit auffrischendem Wind nahm die Szenerie im Schein der kreuz und quer schwankenden Stirnlampen schon fast surreale Züge an. Gingen die Skispitzen dann noch auf Tauchgang, fand man sich auch schon in der nächsten Schneewehe mit allen Vieren strauchelnd, wie ein Kind im IKEA-Bällebad, um wieder auf die Beine zu kommen. Ein Miniabenteuer, über das sich die "Überlebenden" nachher in trockener und warmer Hütte trefflich austauschen konnten.

Den Abschluss des Wochenendes bildete die Langstrecke am Sonntag in und um das Biathlonstadion am Kahleberg. Als Meisterschaft ausgeschrieben, war es aus deutscher Sicht der wichtigste Lauf des Wochenendes mit der größten Teilnehmerzahl, auch wenn die Zahl der tschechischen Teilnehmer mit Faktor 3:1 auch hier deutlich überwog.
Weil viele der Wege im Kahleberggebiet durch den Schneebruch der vergangenen Wochen nicht nutzbar waren, mussten die Veranstalter improvisieren und mit begrenztem Raum auskommen. Mit mehreren Bahnschlaufen im kurvigen Biathlonareal in den Eliteklassen sogar mit Kartenwechsel gelang dennoch eine technisch und physisch anspruchsvolle Bahnlegung. Dank des frühmorgendlichen Zusatzeinsatzes der Spurgeräte waren zumindest die Hauptloipen sehr gut präriert. Auf den Nebenwegen hieß es "Durchwurschteln" wie schon am Vortag und spätere Starter hatten hier sicher gewisse Vorteile.

Während bei vielen Teilnehmern des USV TU Dresden eher der olympische Gedanke zählte, konnte sich Hendrik Heß, der bekanntlich auch im o-technisch ähnlichen MTBO stark unterwegs ist, den DM-Bronzerang in der Eliteklasse sichern. Unsere jungen Damen Elsa Barthel und Franka Klein schnupperten erstmalig Ski-OL-Wettkampfluft und schlugen sich mit Rang 2 und 3 in der deutschen Jugendwertung dafür recht wacker. Dass die tschechische Übermacht gerade in den Kinder- und Jugendklassen besonders deutlich ist, soll aber auch nicht verschwiegen werden. Früh übt sich ...

    Ergebnisse aller drei Läufe - Jan Tojnars Fotos