22.10.2019

Einmal durchs (halbe) Zittauer Gebirge

von Wieland Kundisch

Ich war in Lappland, als Andreas „Lücke“ Lückmann, Post SV Dresden und lange Nationalläufer und Nationaltrainer, u.a. mich fragte, ob ich ihn bei seinem Tharandter Waldlauf als Guide unterstützen könne. Zum 40. wollte er einen 40km-Trailrun anbieten. Drüber nachgedacht, ja gesagt, mitgemacht. Um die Geschichte geht es hier nicht, sie ist allerdings mit dieser hier verknüpft: Robert Dittmann, SSV Planeta Radebeul, früher Görlitz, später Zittau, ebenso eine Weile Nationalläufer gewesen, machte mich bei einem Tharandter-Waldlauf-Vorbereitungslauf auf den 1. Ultra-Trailrun im Zittauer Gebirge aufmerksam. (Genau dort bei Oybin wurde er 2000 Deutscher Elitemeister.) 50km? Nee, das ist mir to much, aber die Hälfte, den „X-Terra“ gerne, weil es dort, wo jährlich der SAXBO stattfindet, so schön ist.

Mara Trilca, Friedmar Richter und kurzfristiger Josef „Pepa“ Neumann sprangen von uns mit auf den sprichwörtlichen Zug auf, im Fall Oybin die dampfende Schmalspurbahn. Pepa war leider angeschlagen und lief so den 6km-Cross statt die 25km, brachte dafür noch einen Freund mit.
Mara und ich standen spaßig aufgeregt am Start, wohl die einzigen mit OL-Karten in den Händen, als Friedmar bereits 2,5 Stunden lief und schon so viel Weg weg hatte, wie wir noch vor uns hatten. Zittauer OLer waren auch am Start bzw. Zuschauer. Pepa feuerte uns lautstark an, als wir vom Oybiner Stadtpark loseilten – und er klatschte mich auch wieder jolend dort ab, als ich ebenda einlief. Inzwischen war er hinter einem sehr schnellen Läufer schnell Zweiter geworden.
Zu meinem Lauf: Ich lief los und die ersten 100m kam der Drittplatzierte mit und erzählte, seine Freunde meinten 2,5h wäre ambitioniert. Ich hielt dagegen 2h und er ließ ab – er las auf meinem Rücken OL und kannte OLer. Ich genoß den Herbstwald, die zumeist bekannten Anstiege und Felsen. Streckenposten und Wanderer feuerten mich als Führenden an, applaudierten und fotografierten. – Beim OL hat man unterwegs seine Ruhe. Die orangene Wegweisung half, aber ich schaute mit meinen Karten dennoch „voraus“. Die „Louisenhöhe“ (SAXBO der letzten Jahre und Vielposten-OL letztes Jahr) hatte ich nach 50min hinter mir, die „Alte Leipaer Straße“ mit Ameisen- und Jonsberg nach weiteren 35min, wobei ich schon ahnte 2h würden eng. Für den Johannistein und Hochwald (etwas höher als die Lausche über die auch Friedmar durfte), wo ich noch nicht war und die nicht für OL kartiert sind, und den Grenzweg dazwischen, hatte Mara Karten ausgedruckt. Wir liefen noch einmal steil bergauf (insgesamt knapp 1000Hm auf den 25km) mit schöner Aus- und Weit-, fast Rundumsicht, und wieder im Zickzack mit wenigen letzten, langgezogenen Höhenmetern bergab. Bei der dritten und letzten Straßenquerung war ich noch knapp unter 2h, aber es war noch 1km. Im Ziel wurde noch nicht mit mir gerechnet, schneller hätte ich nicht sein „gedurft“, kurz vor mir waren die Kinder eingelaufen. 5min nach mir lief ein Tscheche ein und exakt 30min nach mir schnell die erste Dame. Im Ziel der lokale Pressemann, der auch OL(er) kannte.
Robert war erkältet nach 20 der 50km ausgestiegen und vom Nonnenfelsen bei Jonsdorf zurückgewandert. Friedmar feuerte ich auf seinem letzten Kilometer an, er lief schließlich flotte 5h und 17min und wurde damit 5., 1. seiner AK. Stark. Kurz darauf feuerte ich Franka Ender (HSG Zittau OL) an, die 3. Frau über 25km. Mara folgte ich auf ihrem letzten Km nicht, sie lief ihn trotz Krämpfen unter einem 4er-Schnitt. Leider hatte bei ihr im ersten 1/3 der Strecke trotz Karte und Ausschilderung der Herdentrieb gewirkt und sie war einer Grupp gefolgt, die versehentlich einen Kletterpfad verfehlte und abkürzte – dennoch 8. Dame. Apropos Klettern: sie war letztes Wochenende vorm Vielposten-OL einen Kletter-OL gelaufen – und geklettert (Bohemiagelände Etappe 4 und 5) und läuft in 2 Wochen einen Bergsteigerfindigkeitslauf mit ihrem Mann mit, wie einer eine Woche drauf und eine vorm TUMOL traditionell im Zittauer Gebirge gelaufen (nicht geklettert) wird. Mara freute sich jedenfalls, die Strecke (mit schönen Aussichten) geschafft zu haben.
Lücke war nach Abwägen und durch einen wieder freigewordenen der begrenzten Startplätze auch noch die 50km (mit der besten eigenen Karte) gelaufen, weil die Runde durch schönsten Wald führte, und so, dass er es gut und gerne übersteht. Was ihm gelang. Schwamm drüber, dass da sein AK-Sieger kurz vor ihm einlief.
Fazit: ein Lauferlebnis, was weiterzuempfehlen ist.

Auch (Teilnahme-)Preise gab es neben dem reichen Erleben reichlich, u.a. Medaillen, getöpferte Kelche (Tassen) – passend zum Berg Töpfer und Fels Kelch –, Beutel, Buffs und Bier, einen Trinkgurt mit Trinkflaschen, Trinkflaschen ohne Gurt, Gels, Energiegels und kühlende Gels, sowie einen Herrnhuter Stern. Die Adventszeit kann kommen.

Und 2020 dann: DM Sprint in Zittau.

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