14.02.2024

Orientieren im Labyrinth: Stockholm Indoor Cup 2024

von Anna Wartewig

Anfang Februar hatten Anatoly und ich das Vergnügen, zusammen mit meiner ehemaligen Gastfamilie aus Stockholm, beim Indoor Cup teilzunehmen. Bereits im Jahr 2020 hatten wir gemeinsam teilgenommen, was damals quasi das letzte Rennen vor der Pandemie war. Wer noch nie etwas davon gehört hat: Indoor-OL findet in Gebäuden statt und das ‚Terrain‘ wird durch etliche Zusatzmaßnahmen (Absperrungen, Einbahnstraßen, Draußenpassagen) in ein regelrechtes Labyrinth verwandelt. Ansonsten gibt es wie bei den Outdoorwettkämpfen eine Bahn mit Start, 20-30 Posten, Ziel, Wettkampfzentrum usw. Inzwischen ist die Veranstaltung noch einmal gewachsen und zieht mehr als 1800 Teilnehmer aus ganz Schweden an - also quasi Deutsche Meisterschaftsgröße plus Thüringer 24-Stunden-OL jeweils in starker Besetzung. Der Indoor Cup ist mittlerweile das Saisonfinale der nationalen schwedischen Indoor-Serie, die sich ab diesem Winter auf mehrere Wochenenden und Städte erstreckte - also quasi Weltmeisterschaft der Indoor-Orientierer.

Für dieses Mal waren zwei Schulen auf Kungsholm als Austragungsorte ausgewählt worden. Die Karten waren, wie aus Schweden gewohnt, tiptop, super detailliert und enthielten alle Informationen über Treppen, Möbel, Einbahnstraßen, Außenpassagen und Absperrungen. Die Bahnen sind vermutlich die schwierigsten, die es dieses Jahr in der Disziplin Indoor gab. Wer einen Einblick in die Labyrinthe haben möchte, findet unten verlinkt alle Karten seit Beginn des Cups 2013.

Die Siegerzeit betrug beeindruckende 33 Minuten, während einige Teilnehmer bis zu drei Stunden benötigten, um ihre Strecke zu bewältigen. Das lag mutmaßlich jedoch nicht an mangelnder körperlicher Fitness, sondern an der Komplexität der Bahnen. Ein Kompass war hier eher unwichtig. Stattdessen war es ratsam, einen Stift dabei zu haben, um sich die Reihenfolge der Treppenhäuser für die schwierigsten Verbindungen zu notieren: von hier aus zu Treppe E, drei Etagen runter, dann rüber zu Treppe F, eine Etage hoch, dann zur Außenpassage P zu M, anschließend wieder rein zu Treppe S, und dann sollte da hoffentlich mein nächster Posten stehen. Eventuell hatte man aber auch eine der zahlreichen Absperrungen übersehen oder eine Treppe falsch gelesen und stand dann vor einer Sackgasse.

Es war faszinierend zu beobachten, wie sich einige Teilnehmer in den Klassenräumen versammelten und verzweifelt die nächsten Postenverbindungen planten. Kam man in den Raum, sah man sich einer Schulklasse aus OLern gegenüber, die brav (oder verzweifelt) auf ihren Stühlen saßen und ihre nächste Postenverbindung planten. Ab und zu sprang dann jemand wie von der Tarantel gestochen auf und rannte aus dem Klassenzimmer auf den Weg zum nächsten Posten. Ein Highlight des Wochenendes war sicherlich auch das Labyrinth im Labyrinth in der Turnhalle der Schule, der YouTube Livestream oder aber der Verpflegungsposten mit Zimtschnecken und Haferkeksen.

Schließlich haben alle den Weg aus dem Labyrinth wieder herausgefunden und werden sich sicherlich nicht das letzte Mal an einem Indoor-OL versucht haben. Wir haben übrigens den hin und zurück den Nachtzug genommen. Der fährt jetzt regelmäßig von Berlin bis nach Stockholm durch und dürfte uns auch regelmäßig nützen, um den einen oder anderen zukünftigen OL in Skandinavien mitzunehmen.

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